Trotz aller Routine nach vielen Jahren als Lehrkraft kommt man an einer durchdachten Unterrichtsplanung nicht vorbei. Mit der Zeit geht dir vieles in Fleisch und Blut über. Manche Abläufe passieren fast von selbst. Gerade in der Anfangszeit als frisch ausgebildete:r Lehrer:in schadet es jedoch nicht, wenn man sich an einem selbst erstellten Plan orientieren kann. Während der Unterrichtsstunde dient dieses Raster als übersichtlicher Leitfaden.

Planung ist das halbe Leben
Ein selbst erstellter Plan bietet gerade am Beginn seiner Lehrer:innenkarriere eine optimale Stütze.

Vom Aufschlagen der Buchseite bis zum Pausengong – so planst du deinen Unterricht

Bevor du eine Übersicht für deine nächste Stunde entwirfst, gibt es einige Denkanstöße. Sie sollen dir deine Planung etwas einfacher machen. Es klingt immer so unkompliziert, sich interessanten Stoff für den Unterricht auszudenken. Ganz ohne Werkzeug funktioniert es allerdings doch nicht.

  1. Vor der Unterrichtsplanung muss das Thema der Stunde feststehen. Was steht auf dem Lehrplan? Welche Unterrichtseinheiten hast du dir vorgenommen? Diese beiden Fragen müssen geklärt sein, ehe es mit dem Stundenentwurf weitergehen kann.
  2. Bei der Gelegenheit stellt man sich die Frage, wo man mit der Klasse in der letzten Stunde stehen geblieben ist. An diesen aufgefrischten Erinnerungen knüpft der rote Faden der kommenden Unterrichtsstunde an.
  3. Im zweiten Schritt kannst du dir einem Überblick über das Arbeitsmaterial verschaffen. Unter diesen Begriff fallen natürlich diverse Lehr- und Fachbücher, aber je nach Fach auch anderes Zubehör, mit dem in der Stunde gearbeitet wird: Im Chemieunterricht führen Lehrer:innen und Schüler:innen mit einem Bunsenbrenner einen Versuch durch. In Kunst brauchen die Beteiligten einen Pinsel, um das Arsenal an Ölfarben auf ihre Leinwände aufzutragen. Ein paar Stichworte schaden nie. Halte in kurzen Worten fest, was du für deinen Unterricht benötigst.
  4. Das Herzstück der Vorbereitung ist ein Stundenplan in tabellarischer Form. Mit dem Stundenplan ist ein Verlaufsplan der jeweiligen Unterrichtsstunde gemeint. Jede Einheit bekommt eine Überschrift (z.B. Begrüßung der Klasse, Einführung in das Thema X). Neben den Überschriften steht eine Zeitangabe. Bei der Planung der Stunde kannst du die Zeiten ruhig überschlagen. Für die Einführung in ein neues Thema reichen 5 bis 10 Minuten in den meisten Fällen aus.
  5. Zusätzlich zur regulären Zeit bleiben einige Minuten für Fragestellungen frei, die vom Kernthema abweichen. Hinter den einzelnen Themenbereichen wird das Ziel formuliert. Die Vertiefung von bereits Erlerntem oder die Einführung in neuen Lernstoff sind typische Unterrichtsziele.
  6. Weitere Stichpunkte nehmen Bezug auf die Didaktik, also auf die Methoden der Wissensvermittlung. Du kannst die Angaben zur Methodik unter die einzelnen Themenpunkte schreiben. Auf diese Weise gestaltest du deinen tabellarischen Ablauf besonders übersichtlich.
  7. In dem Zusammenhang werden die Räumlichkeiten als Lernumgebung mit einbezogen. Es macht einen Unterschied, ob die Stunde im Klassenzimmer, im Fachraum oder draußen auf dem Schulhof stattfindet. In den jeweiligen Räumen herrschen andere Bedingungen vor, was die technische und materielle Ausstattung betrifft. Die Konzentrationsfähigkeit der Klasse ist ähnlichen Einflüssen unterworfen. Während der Sommermonate darf man die Stunde gerne nach draußen auf den Pausenhof verlegen, sofern es möglich ist. Die Schüler:innen empfinden die Unterbrechung vom gewohnten Schulalltag als etwas Positives. Dieses Erleben trägt zur Motivation bei.

Die Durchführung der Unterrichtsstunde

Nun geht es ans Eingemachte: Die Stunde beginnt. Deine Tabelle für den Ablauf liegt schon warm und trocken vor dir, gleich geht es direkt mit dem Thema los.

  1. Stelle dich darauf ein, dass du den gesamten Stoff mitunter auf zwei Unterrichtsstunden verteilen musst. Der Erfolg des Unterrichts hängt oft von der Tagesform ab – das betrifft sowohl die Lehrkraft als auch die Klasse.
  2. Bei der zeitlichen Organisation sollten 10 bis 15 Minuten für Rückfragen etc. vonseiten der Klasse eingeplant werden. Mit dieser zusätzlichen Lücke ist man als Fachlehrer:in auf der sicheren Seite und geht der Stunde gleich viel gelassener entgegen.
  3. Das Arbeitsmaterial sollte vor der Stunde in Griffnähe platziert werden. Ein mühsames Zusammensuchen kostet nicht nur Zeit, sondern wirkt sich nachteilig auf die Stimmung in der Klasse aus.
  4. Nach der Begrüßung aller Anwesenden geht die Lehrkraft kurz auf die letzte Stunde samt thematischen Inhalten ein. Solch eine sanfte Überleitung holt die Klasse besser ab als ein direkter Einstieg.
Wiederholung macht den Meister.
Eine Wiederholung zu Stundenbeginn holt die Schüler:innen thematisch ab und stimmt sie sanft auf den Unterricht ein.

Eine Sache vorweg: Nicht jede Klasse ist in gleichem Maße leistungsstark. Das Alter der Schüler:innen und das Leistungsgefälle der gesamten Klassengemeinschaft haben Auswirkungen auf den Unterrichtsablauf. Dies ist bereits bei der Planung der Stunde zu berücksichtigen.

Tendenziell brauchen Grundschulkinder etwas länger, um neuen Unterrichtsstoff zu verinnerlichen. Anschauliche oder spielerische Didaktik spricht sie mehr an als Frontalunterricht. Eine Kombination aus beiden Techniken ist für die Grundschule ebenso geeignet wie für weiterführende Schulformen. In den höheren Klassenstufen darf es auch mal etwas ‚tafellastiger‘ zugehen, solange der Unterricht alltagsnah gestaltet ist. In der Oberstufe geht die Unterrichtsführung ohnehin in eine Richtung, die man als Unterrichtsgespräch zwischen Lehrer:in und Schüler:innen beschreiben kann. Die Lehrkraft fungiert als moderierende Person und Gesprächsleitung.

Nach der Stunde ist vor der Stunde – Resümee und Nachbereitung

Wenn die Unterrichtsstunde beendet ist, kann man den Ablauf in einer ruhigen Minute Revue passieren lassen. Was lief gut, welche Lehrmethoden haben funktioniert und wie war die Interaktion mit den Schüler:innen?

Neben den fachlichen Inhalten kommt es auf die Rolle der Lehrkraft an. Selbstkritik ist nicht immer leicht, aber in Bezug auf einen gelungenen Unterricht notwendig: Gehe einmal in dich und habe Mut, offen und ehrlich zu dir selbst zu sein. Wo besteht noch Verbesserungsbedarf? Gab es in der Unterrichtsstunde Situationen, in denen man von dir als Klassen- oder Fachleitung ein anderes Verhalten hätte erwarten dürfen? Dieser Punkt kann sich auf die Wissensvermittlung oder auf den Austausch mit der Klasse beziehen.

Gerade für Referendar:innen ist der Dialog mit alteingesessenen Lehrkräften Gold wert. Im Gegenzug können auch Lehrer:innen mit einigen Jahren an beruflicher Erfahrung etwas von den Neuen lernen. Vor und nach der Unterrichtsstunde schadet es nie, den Ablauf mit einem Mitglied aus dem Kollegium zu besprechen. Manchmal sehen vier Augen tatsächlich mehr als zwei. Von diesen nützlichen Gesprächen können Lehrende Gebrauch machen, wenn sie nach den großen Ferien eine neue Klasse bekommen und ihren Leistungsstand noch nicht kennen.

Das Wichtigste in Kürze

In Sachen Unterrichtsstunde kann und soll man nicht ins kalte Wasser springen. Ein vorausschauend geplanter Unterricht gibt Lehrer:innen und Schüler:innen ein Gefühl von Sicherheit: Die Lehrkraft führt die Klasse gezielt an den Stoff heran. Aus der Perspektive der Schüler:innen ist ein:e souveräne:r Lehrer:in sowohl Vertrauensperson als auch ein:e verlässliche:r ‚Moderator:in‘.

Der Unterrichtsplan gründet auf vier Säulen: Das Thema der Stunde ist die erste und wichtigste Säule. Thematische Unterpunkte sind das zweite Standbein. Die zeitliche Einteilung ist die dritte Säule. Außerplanmäßige Bereiche wie kurze Exkurse werden als vierte Säule in die Planung mit einbezogen. Ebenso wichtig wie das Thema ist das Ziel. Wissen muss aus einem bestimmten Grund vermittelt werden, sonst ist der Unterricht nicht mehr zielführend. Deine Klasse wird es schnell merken, ob du bei der Arbeit an der Tafel ein Ziel verfolgst. Der Lernerfolg des Individuums und der Klassengemeinschaft hängt maßgeblich von diesem Aspekt ab. Referendar:innen und erfahrene Lehrende wissen, wovon die Rede ist.

Mit zu viel Akribie muss man sich der Planung von Unterrichtsstunden auch nicht nähern. Manchmal kann solch ein Vorgehen sogar hinderlich sein. Der Unterrichtsplan ist ein Gerüst, auf dem deine Stunde aufbaut. Beim Unterrichten sollte man sich als Lehrkraft trotzdem ein paar organisatorische Freiheiten offenhalten – vielleicht bringt dich eine Frage aus der Klasse auf eine zündende Idee, die dir selbst gar nicht eingefallen wäre. Unterricht ist nicht nur eine Sache des/der Lehrer:in, sondern auch der Schüler:innenschaft. Aus dieser Tatsache können beide Seiten großen Nutzen ziehen.

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